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25. August 2026  

Verlinden fordert Klima-Notfall-Plan von der Bundesregierung

Als Reaktion auf den Hitze- und Dürrekrisensommer fordert Julia Verlinden von der Bundesregierung unverzüglich einen Klima-Notfall-Plan zu verabschieden und umzusetzen:

Ein Klima-Notfall-Plan: Was die Bundesregierung nach dem Hitze- und Dürrekrisensommer nun tun muss

Es reicht! Jede*r von uns erlebt diesen Sommer die Extreme der Klimakrise im Alltag in Deutschland. Mindestens 14.000 Hitzetote bisher, knapp 10.000 Menschen sind allein in einer Hitzewoche im Juni gestorben – das ist mehr als jemals in einem ganzen Jahr. An
Rhein und Donau ist die durchgehende Schiffbarkeit kaum noch möglich. Autobahnen mussten wegen Hitzeschäden und Bränden gesperrt werden. In der Landwirtschaft drohen erhebliche Ernteverluste aufgrund der anhaltenden Dürre, Betriebe bangen um ihre Tiere und ihre Zukunft. Das Trinkwasser wird punktuell knapp und per Tanklaster angeliefert, Waldbrände bedrohen Ortschaften und tausende Menschen werden evakuiert. Die wirtschaftlichen Kosten dieses Hitzesommers belaufen sich bisher auf viele Milliarden Euro. Während Bundesminister „auf Regen hoffen“, schweigt der Kanzler.

Schwarz-rot ist mit ihrer Anti-Klimaschutzpolitik in diesem Hitzesommer endgültig vor die Wand gefahren. Die Bundesregierung schläft, während das Land brennt. Diese Ignoranz und das kollektive Scheitern der Bundesregierung müssen ein Ende haben. Spätestens auf der Kabinettsklausur kommende Woche muss die Bundesregierung deutlich machen, wie sie diese Krise managen und weitere Schäden von Menschen und Wirtschaft abwenden will.

Es braucht nun dreierlei: 1) akutes Krisenmanagement und Vorbereitung für kommende Krisenlagen, 2) effektive Maßnahmen zur kurz- und mittelfristigen Klimaanpassung 3) wirksame Klimaschutzpolitik, die die Ursachen der eskalierenden Klimakrise durch rasche Senkung der Emissionen bekämpft.

Sofortmaßnahmen in der Dürre- und Hitzekrise

In der diesjährigen Hitzekrise und der aktuellen Dürre hat die Bundesregierung konsequentes Handeln völlig vermissen lassen. In Vorbereitung für kommende ähnliche Lagen fordern wir den Bundeskanzler und seine Regierung zu folgenden Sofortmaßnahmen auf:

1. die sofortige Beauftragung des gemeinsamen Lagezentrums von Bund und Ländern, ein Gesamtlagebild der aktuellen Dürre-, Hitze- und Waldbrandlage zu erstellen und weitere Gefahren für die Bevölkerung und die Wirtschaft zu identifizieren. Die Bunderegierung darf nicht weiter im Blindflug durch die Hitze und Dürre stolpern;

2. eine auf dieser Grundlage vollumfängliche Information der Bevölkerung über Gefahrenlage und Hinweise zur Krisenvorsorge sowie in Akutsituationen, wie zum Beispiel mit einer Hitze-Hotline;

3. einen nationalen Hitzeschutzplan und dessen flächendeckende zügige Umsetzung sowie akute Krisenhilfe zum Bevölkerungsschutz.

Maßnahmen zur Anpassung an die Klimakrise

Die folgenden Klimaanpassungsmaßnahmen sind unverzichtbar:

1. Ausreichende Finanzierung –flankiert durch die Verankerung einer Gemeinschaftsaufgabe Klimaanpassung und Naturschutz im Grundgesetz – die die Städte und Gemeinden ausreichend dabei unterstützt, Hitzeschutzmaßnahmen durch den hitzeresistenten Umbau von Kommunen umzusetzen;

2. die Einführung eines Programms “klimafeste Böden“, zum Beispiel im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz (GAK), zur besseren Wasseraufnahme und Wasserspeicherfähigkeit, sowie der Sicherung der Leistungsfähigkeit der Landwirtschaft, die von intakten Böden abhängt;

3. die sofortige deutliche Aufstockung und Erweiterung des Aktionsprogramms natürlicher Klimaschutz zur Verbesserung der Wasseraufnahme und – speicherung in der Landschaft, um weiteres Austrocknen der Böden und Flüsse zu verhindern, beispielsweise durch intakte Auenwälder;

4. die sofortige Einführung eines Bundeswasserregisters und eines digitalen Grundwasser-Echtzeitentnahmemonitorings großer Wasserentnahmen, um Trinkwasserknappheit vorzubeugen und zeitnah eine verlässliche Datengrundlage für wirksame Kontrolle, Planung und Schutz unserer Wasserressourcen zu etablieren;

5. zusätzliche 50 Millionen Euro pro Jahr für ein Waldentwicklungsprogramm sowie eine Aufstockung der GAK-Mittel für klimaangepasste Aufforstung, naturnahe Waldentwicklung und Waldbrandpräventionsmaßnahmen, denn naturnahe Wälder können nicht nur besser Wasser speichern, sondern auch Brände und extreme Wetterereignisse besser überstehen.

Maßnahmen zum Klimaschutz

Die folgenden Klimaschutzmaßnahmen sind unverzichtbar:

1. Die Bundesregierung hat bereits mehrere Brandbeschleuniger-Gesetze beschlossen, die die Klimakrise weiter anheizen. Es braucht einen Stopp dieser Anti-Klima-Gesetze. Dazu gehören insbesondere: das Gebäudemodernisierungsgesetz, das Netzpaket, die Novelle des EEG und das Energieeffizienzgesetz. Diese Gesetze müssen zurückgezogen bzw. grundlegend überarbeitet und auf Klimazielpfad gebracht werden.

2. Methan erhitzt die Atmosphäre noch rascher und aggressiver als CO2. Deutschland benötigt eine wirkungsvolle Strategie zur raschen Reduktion. Die Bundesregierung muss deswegen sicherstellen, bis 2030 mindestens 30% weniger Methan zu emittieren als 2020, wie international zugesagt. Wichtiger Baustein dafür ist die rasche und lückenlose Umsetzung der EU3 Methanverordnung, beispielsweise der Stopp klimazerstörender Leckagen an Erdgasleitungen oder Bohrstellen.

3. Je schneller der Ausbau der Erneuerbaren Energien erfolgt, desto besser für den Klimaschutz. Im Stromsektor, aber auch im Verkehr und in der Wärmeversorgung auf 100% Erneuerbare Energien zu kommen, gelingt umso schneller, je weniger Energie insgesamt in diesen Sektoren benötigt wird. D.h. wirksame Energieeffizienzpolitik ist der Speed-Joker für das Erreichen der Klimaziele. Zugleich sind systemdienliche (Wärme- & Strom-)Speicher die Flexibilitäts-Joker,
um die fossilen Kapazitäten möglichst rasch überflüssig zu machen.

4. Ein Ausbau von Klimaschutzverträgen für die Industrie stärkt die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts. Außerdem muss die Bundesregierung den nationalen und europäischen Emissionshandel stärken, anstatt ihn abzuschwächen. Ein starker ETS ist das marktwirtschaftlich beste Instrument, Unternehmen aus der Abhängigkeit von achterbahnfahrenden fossilen Energiepreisen zu befreien. Wer jetzt den Emissionsdeckel lüftet und mehr Emissionen zulässt, schadet dem Klimaschutz und der Verlässlichkeit dieses wichtigen Instruments massiv. Der ETS muss ein wirksames Instrument zur Emissionsminderung bleiben und ein starkes und stabiles Preissignal liefern.

5. Mit der Einführung eines allgemeine Tempolimits auf Autobahnen werden mehrere Millionen Tonnen CO2 eingespart sowie Rettungsdienste und das Gesundheitssystems entlastet.

6. Zahlreiche klimaschädliche Steuervergünstigungen und fossile Subventionen richten doppelten Schaden an: sie sorgen für hohe Emissionen und zugleich kosten sie Steuergeld, das dringend für klimagerechte Investitionen benötigt wird. Trotz mehrfacher international Subventionsabbauversprechen hat die Bundesregierung kürzlich mehrere gegenteilige Beschlüsse gefasst, und damit
fossile Energien billiger gemacht (Agrardiesel, Flugtickets, Tankrabatt etc.). Diese Politik muss gestoppt werden und endlich einem Abbau klimaschädlicher Subventionen weichen. Außerdem müssen die Übergewinne der fossilen Konzerne abgeschöpft werden, um die von ihrem Geschäftsmodell verursachte Schäden zu minimieren.

7. Wälder, Moore und Grünflächen sind natürliche Klimaschutz-Verbündete: solange sie intakt sind, binden sie erhebliche Mengen an Emissionen („Senken-Funktion“) und sind relevant für Kühlung des Mikroklimas. Doch geplante neue Autobahnen zerstören diese natürlichen Klimaschützer. Deswegen muss die Bundesregierung alle Autobahn-Neubauprojekte stoppen, mindestens, bis Deutschland klimaneutral ist.

8. Für sichere Klimaziel-Erreichung und Planungssicherheit für die Branche bei der Elektromobilität muss Deutschland an der EU-Vereinbarung zu den Flottengrenzwerten und zum Verbrenner-Aus 2035 festhalten.

Dieser Text wurde zuerst am 21.8.2026 in der ZEIT veröffentlicht: https://www.zeit.de/politik/deutschland/2026-08/hitzeschutz-deutschland-krisenprogramm-duerre-julia-verlinden

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